Zukunftsprognose Brink: wie stellt ihr sie euch vor?

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In den letzten Jahren sind einige wenige Personen und Gruppen durch Betrug und Wirtschafsmanipulation furchtbar reich geworden. Diese Spekulaten nahmen die Destabilisation der Wirtschaft ganzer Länder und die Zerstörng unzähliger Schicksale für den eigenen Profit in Kauf, und reinvestieren den Gewinn gerne in mehr politische und wirtschaftliche Kontrolle, Lobbyieren in Deregulierung des Finanz- und so gut wie jeden anderen Sektor, sehen die Abschaffung von Verbraucherschutz, Konsumentenrechten, Regulationen und sozialer und gesundheitlicher Sicherheit herbei. Aber so mächtig und mutig einige geworden sind, einige dieser privilegierten Über-Oberschicht beginnen sich langsam vor den Konsequenzen der extremen Arm-Reich Schere zu fürchten.

Einige Versuche uns mit vorgegaukelten philantropischen Versprechen zu blenden, doch wenn diese wohlmeinenden Aktionen als Versuch enttarnt werden, den eigenen Einfluss noch weiter zu steigern, werden vieleicht auch diese Leute in ferner Zukunft mit den Konsequenzen ihrer Gier konfrontiert. Klassenkrieg nennt sich das, und in einigen Ländern hat die Reiche Klasse den Kampf bereits gewonnen. Die Plünderungen in London werden mittlerweile teilweise einer entfremdeten, in der Landespolitik schon lange nicht mehr vertrenen Klasse zugeschrieben, und weltweit wächst die Unzufriedenheit, Hoffnungslosigkeit und Machtlosigkeit, sei es aufgrund von zermürbenden Sparmaßnahmen, unverhohlener Korruption von Aufsichtsbehörden oder der scheinbaren Unfähigkeit, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, während die Betroffenen ungleich härter für die geringste Verfehlung bestraft werden.

Was also tun, wenn die Vision einer hyper-kapitalistischen Gesellschaft den Übereichen Corporatisten nicht schnell genug geht? Stehen Regulierungen zum Wohl und Sicherheit der Bevölkerung dem Profit im Wege, was liegt da näher als sich diesen unprofitablen Regulierungen zu entziehen und ein eigenes kleines Land zu erschaffen, in dem man seine Theorien von unreguliertem Kapitalismus auf die Spitze treiben kann? Schwimmende Inseln vielleicht, frei von staatlichen Regulierungen, befreit von Mindestlohn, restriktiven Bauforschriften und strikten Regeln zum Waffenbesitz. Erinnert uns an... Brink? (Youtube-Intro).

Der millilardenschwere Hedgefund-Manager und Paypal-Gründer Peter Thiel scheint gefallen an dieser Spieleidee gefunden zu haben, und investierte bis jetzt knappe $1.25 million USD, um das Projekt um schwimmende Stadtstaaten mit eigenen Konzerngesetzen in die Wirklichkeit umzusetzen. Die Summe scheint bei weiten nicht ausreichend für so ein ambitioniertes Projekt, aber Thiel gibt sich zuversichtlich, und wischt alle Bedenken mit einem "“We don’t need to really worry about those people very much, because since they don’t think it’s possible they won’t take us very seriously. And they will not actually try to stop us until it’s too late.” hinweg. Jede Insel wäre 12.000 tonnen schwer und böte jeweils nur 270 Einwohner eine neue, steuerfreie und unregulierte Heimat. Wie groß könnte eine solche Enklave werden, mit welchen Schwierigkeiten hätte sie zu kämpfen, und könnten sie jemals mehr als ein Testgelände für neue Regierungsformen und unkontrollierte Währungssysteme sein? Diese schwimmenden Steueroasen würden auf Öl-förder-Plattform ähnlichen Konstrukten entstehen, doch die Einbürgerung würde auch die vorangegange Nationalität und damit die Rückzugsmöglichkeit in einen sicheren Hafen nehmen, wenn die erhoffte utopischen Visionen sich nicht bewahrheiten.

Was meint ihr, würdet ihr dort leben wollen? Mit welchen Problemen rechnet ihr, mit welchen Vorteilen? Wären solche Inseln für 270 weniger betuchte Einwohner überhaupt gedacht? Sind es nur sichere Häfen für die gleichgültige Elite, würdet ihr dort ohne Rechte und ohne Mindestlohn arbeiten wollen? Oder muss man sich das ganze als Zusammenschluss vieler Einzelteile mit tatsächlichem Potential vorstellen?

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Spoiler:
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stupormundi (13 Koop-Gamer, 1576 EXP)
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Interessanter Thread! Ehe ich meine eigenen Zukunftsprognosen darlege, möchte ich noch vorher auf manche deiner Thesen eingehen.

Zitat:

Bankenkriese: Korrupte Spekulanten und betrügerische Banken die mit der Sicherheit unserer Wirtschaft und Gesellschaft gespielt haben, wurden mit Steuergelden gerettet [...]

Dass Pleite-Banken nach jahrelanger Misswirtschaft vom Steuerzahler gerettet worden sind, Unternehmensverluste also sozialisiert worden sind, halte ich für ein ethisches Problem. Vor allem deswegen, weil es den Hauptgedanken unseres im Kern liberalistischen Staates, das Prinzip der Eigenverantwortung, ad absurdum führt.

Sicherlich kann und muss man einwenden, dass die Pleite mehrerer "systemischer" Banken große wirtschaftliche Verwerfungen in der Gesellschaft ausgelöst hätten und man mit der Sozialisierung der Verluste von Banken jedem einzelnen Deutschen größeres Unglück erspart hat.
Aber: Erstens hat man durch staatliche Intervention die selbstregulativen Kräfte des Marktes außer Kraft gesetzt. Die Insolvenz mehrerer Banken wäre auf ewig ein Menetekel für Misswirtschaft gewesen, die verantwortlichen Banker wären personae non gratae gewesen und zukünftig hätten Banken Kreditausfallrisiken realistischer bewertet. So kamen Banken nach der Finanzkrise 2007 mit einem blauen Auge davon und können weiter machen wie bisher. Eine detaillierte Analyse der eigenen Fehler ist nicht notwendig und damit steigt das Risiko einer erneuten Finanzkrise.
Zweitens wurden Bankenrettung und Staatskeynesianismus in der Wirtschaftskrise 2008 von den Staaten auf Pump finanziert. Diese Schulden werden in Zukunft entweder durch Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen abgebaut oder durch expansive Geldpolitik monetisiert. De facto wurde die Krise nicht bereinigt, sondern lediglich gestundet. Keynes sah nicht vor, dass Konjunkturpolitik mit geliehenem Geld finanziert werden sollte. Im Gegenteil sollte der Staat in guten Zeiten Geld ansparen, das er in schlechten Zeiten einsetzen könnte. Etwas, wozu unser Staat niemals in der Lage wäre: Was er an Einnahmen hat, gibt er sofort aus. Aber selbst das reicht ihm nicht, er muss selbst in guten Zeiten Geld von außen leihen. Die Folgen davon kann man derzeit an der Euro-Krise sehen.

Ich will damit nicht sagen, dass die Bankenrettung ein Fehler war. Das endgültig zu beurteilen, sehe ich mich außerstande. Aber sie ist definitiv zweifelhaft.

Zitat:

während diejenigen, denen sie geschadet haben, vor die Tür gesetzt, enteignet und in die Schuldenfalle getrieben wurden.

Aus der Schuld würde ich die Darlehensnehmer nicht nehmen. Schließlich haben sie unverantwortlich gehandelt, als sie Darlehensverträge abgeschlossen haben, die sie nicht bedienen konnten.

Zitat:

Während immense Kapitalmengen von den Steuerzahlern zu den Verursachern der Krise geleitet werden, wächst die Verzweiflung der Betroffenen. Gewaltbehaftete politische Proteste wegen zermürbenden Sparmaßnahmen im Süden (Griechenland, Spanien, Portugal), agressive Plünderungen der ausgegrenzten Unterschichten, die sich in der Landespolitik schon lange nicht mehr vertreten fühlen im Norden (London) und Westen (USA).

Aus den USA sind mir keine größeren Aufstände bekannt. Für sehr, sehr gefährlich und falsch halte ich die Entschuldigung der Aufstände in England als "Revolution der Unterschicht": Plünderer und Mörder haben keine politische Agenda verfolgt, wollten keine etwaigen gesellschaftlichen Verteilungsungerechtigkeiten beseitigen, sondern sich auf Kosten anderer bereichern. Diese Aufstände als Revolution gegen schlechte Lebensbedingungen zu missinterpretieren, ist Hohn für alle Opfer.

Zitat:

In den USA hielten die konzernhörigen Republikaner unter Bohner die Wirtschaft während der Schuldengrenz-Verhandlungen als Geisel, um ihre politischen Aussichten im nächsten Wahljahr zu steigern, und riskieren dadurch den Zusammenbruch der Wirtschaft.

Das ist eine sehr einseitige und falsche Darstellung des US-Schuldenstreits. Fakt ist, dass es sowohl auf Seiten der Republikaner als auch auf Seiten der Demokraten kompromissunwillige und ideologische Abgeordnete gibt, die zur Durchsetzung ihrer Ideologie wirtschaftliches Chaos in Kauf genommen haben. John Boehner ist während den Verhandlungen als vernünftiger Verhandlungspartner aufgetreten und war maßgeblich an der Kompromissbildung beteiligt. Mit einem anderen Speaker wäre ein Kompromiss wahrscheinlich deutlich schwieriger gewesen.

Zitat:

Während aller Verhandlungen weigerten sie sich dogmatisch, Steuern für die Reichen anzunehmen, wollten aber die bereits am stärksten belasteten Armen noch stärker besteuern, Schutzmaßhahmen für soziale, finanzielle und gesundheitliche Sicherheit kürzen und die staatliche Regulation der Konzerne auf ein Minimum beschränken.

Vom "broadening of tax burden" halte ich auch nichts. Deswegen, weil dies einerseits eine unzumutbare Belastung der ärmeren Amerikaner wäre; zum anderen weil dies ein Tropfen auf dem heißen Stein wäre. Eine Steuererhöhung für "Reiche" verspricht hingegen größere Einnahmensgewinne: Je nach Steuererhöhungsmodell sind zusätzliche Einnahmen von 40 bis 70 Mrd. (Einkommenssteuerniveau der 1990er-Jahre) Dollar möglich. Aber auch das ist, realistisch betrachtet, allenfalls eine Linderung, keinesfalls eine Lösung bei Ausgaben von 3,82 Billionen US-Dollar und einem Defizit von 1,65 Billionen US-Dollar im Fiskaljahr 2011. Es führt kein Weg daran vorbei, dass die USA massiv ihre Ausgaben kürzen.

Zitat:

Kurzzeitig verlangen sie sogar einen Steuerurlaub, um so über sieben Jahre gemachte Gewinne (seit 2004) durch Steuerhinterzug im Ausland ohne Konsequenzen wieder nach Hause bringen zu können.

Einerseits wirft ein solcher Steuerurlaub wieder moralische Bedenken auf. Andererseits ist das wohl die einzige Möglichkeit, wie man bestimmte Unternehmen dazu bringt, ihre Gewinne wieder in den USA zu belassen.

Zitat:

Während die Überreichen beständig intrigieren, um das Vertrauen in staatliche Regulation und die staatliche Authorität durch Lobbyismus zu untergraben, geben sie auf der anderen Seite vor, dass allein durch die philantropischen Bemühungen der Überreichen Hoffnung für die Hoffnungslosen bestünde. Der Thinprogress-Artike bzgl. der Koch Brothers Äußerungen entlarvt diese als Lügen: thinkprogress.

Die Antwort auf unsere Probleme ist mit Sicherheit nicht mehr Staat. Mehr Staat hat in der Menschheitsgeschichte nicht zu mehr Wohlstand geführt, sondern zu mehr Elend und mehr Unterdrückung. Tatsächlich sind viele Probleme, die man der Marktwirtschaft ankreidet, auf staatliche Interventionen und nicht auf das "freie Spiel der Kräfte" zurückzuführen.
Bei allen Problemen, die es auch in den westlichen Staaten gibt: Nie waren die Menschen wohlhabender und freier als heute. Grundsätzlich kann einem eine ungleiche Einkommensverteilung auch egal sein, solange es selbst den Armen gut geht. Und selbst den Armen geht es in den Marktwirtschaften des Westens besser als den Armen in jedem anderen Wirtschaftssystem.

Think Progress halte ich nicht für eine seriöse Quelle, schließlich gehört es zum Center for American Progress und verfolgt ganz eindeutig eine politische Agenda.

Zitat:

Menschen werden immer ärmer, obwohl sie immer härter arbeiten.

Das stimmt nicht. Die Arbeitszeiten sind in den letzten Jahrzehnten stark gesunken, der Wohlstand der Menschen stark gestiegen.


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Ich sehe als die größten zukünftigen Probleme an:
1. Verschuldung der Staaten Die Staatsverschuldung hat in den westlichen Staaten mittlerweile ein so hohes Niveau erreicht, dass selbst die Zahlungsunfähigkeit droht. Das Problem muss gelöst werden und kann lediglich durch starke Ausgabenkürzungen, starke Steuererhöhungen oder durch Monetisierung erreicht werden. Egal für welche Mittel sich die Staaten entscheiden, es wird den Wohlstand der Menschen in den betroffenen Ländern deutlich senken: Sei es durch Kürzungen der Sozialausgaben, sei es durch höhere Einkommens- oder Umsatzsteuer oder durch Inflation.

2. Zunehmende wirtschaftliche Konkurrenz Die sehr positive wirtschaftliche Entwicklung in den BRICS-Staaten sowie den "Next Eleven"-Staaten wird zu größerer Konkurrenz für westliche Produkte auf dem Weltmarkt führen. Es wäre töricht anzunehmen, dass diese größere Konkurrenz keine negativen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft hätte. Das führt zu einer weiteren Anspannung der Staatsfinanzen, was die Wirtschaft wiederum belasten wird und im Konkurrenzkampf mit anderen Volkswirtschaften belasten wird.

3. Demographische Katastrophe Abnehmende Kinderzahl, alternde Gesellschaft und damit einhergehend abnehmende Zahl produktiver Kräfte und Zunahme unproduktiver Kräfte könnten zu einer sozialen Katastrophe führen. Der Staat ist ohnehin überschuldet, die Volkswirtschaft in einer prekären Konkurrenzsituation - und dann wird es noch Allokationsprobleme geben. Dies könnte in

4. Verteilungskämpfe münden. Gewaltsam geführte Verteilungskämpfe würden die deutsche Volkswirtschaft und den deutschen Staat weiter belasten, die dem Verteilungskampf zugrundeliegenden Probleme verschärfen - und ihn so weiter anheizen.

Jedes der genannten Probleme könnte für sich genommen gelöst werden. Wegen der Interdependenz der Probleme sehe ich auf Deutschland im 21. Jahrhundert gigantische Herausforderungen zukommen.

Wordsmyth (Neuling, 0 EXP)
Beigetreten: 1.1.1970

Ich habe es mal etwas herunter gebrochen und vereinfacht, um es etwas zugänglicher zu machen. Zu verflochtene politische oder wirtschaftliche Diskussion schrecken ja sicher doch Einige ab. Wenn jemand den Originaltext doch behalten möchte, füge ich den aber auch gern (vielleicht unter einem Spoiler?) wieder ein.

Danke schonmal für die Antworten, erstmal an Stupormundi, deine Ausführungen finde ich bisher zur Sortierung und Betrachtung der Ideen schon sehr erhellend und hilfreich.

Mit Protesten in den USA meinte ich die in Wisconsin, Montana, (in geringerem Maße die Proteste gegen die Healhcare-Kürzungen in Ohio), die Proteste in Florida gegen den Bailout. Wallstreet hatte auch einen wenig behandelten Protest (aber nur einige hundert Leute), im nächsten Monat bleibt der geplante Protest gegen die Federal Reserve & Bernake noch abzuwarten. Die Londoner Ausschreitungen will ich garnicht als politisch Motiviert verharmlosen, aber andere haben durchaus nahegelegt, das eine grundlegende Entfremdung und Hoffnungslosigkeit ebenfalls zugrunde liegen kann, wie z.b. in dem Guardian bericht, oder hier.

Den Schuldenstreit kann ich sicher nicht korrekt wiedergeben, worauf ich hinaus wollte war die Aussage von Boehner selbst. Nun sind die Probleme ja einige wenige Monate hinausgezögert worden, und die Kürzungen müssen erst noch geschrieben werden. Wird vielleicht noch interessant was da zu erwarten ist, ich bin aber der Meinung das die aufgeblähten Verteidigungsausgaben vielversprechendere Einschnitte bieten als z.b. sowas zu beführworten. Mehr staatliche Kontrolle ist sicher nicht die Lösung, da hast du schon recht, staatliche Regulation in Verbindung mit Korruption ermöglicht ja häufig erst einen so unglaublichen Konzerneinfluss. Aber eine aufs Minimum zurück gestutzte Staats-Attrappe wie sie häufig gefordert wird, würde das ganze noch verschlimmern. Wobei wir wieder beim unregulierten Inselkonzept wären smilie Ah, und danke für den Hinweis auf Thinkprogress.

thurius (Neuling, 0 EXP)
Beigetreten: 1.1.1970

warum auf einmal "Zukunftsprognose Brink" und nicht wie vorher "Zukunftsprognose"?
dient es dazu mehr klicks zubekommen?
aufmerksamkeitsdefizitsyndrom?

und warum gerade die story von brink,Metropolis hatte das thema schon 1927

wenn man nach Zukunftsprognose bei spielen/film ginge,hätte ocp die weltherschaft,new york wäre ein gefänngis,in l.a würde es immer regnen,kleine puppen hätten die seele ein killers intus usw.

Wordsmyth (Neuling, 0 EXP)
Beigetreten: 1.1.1970

"warum auf einmal "Zukunftsprognose Brink" und nicht wie vorher "Zukunftsprognose"?"
Siehe den Kommentar über dir. Basis dieses Beitrags war die Idee von Thiel - die globalen Rahmenbedingungen gehören dazu, sollen aber niemanden von der Diskussion abhalten. Globale Finanzpolitik würde schon einen eigenen Forumseintrag benötigen um dem Thema gerecht zu werden, und die Diskussion für jedes einzelne Land kann leicht sehr komplex und diffus werden (bsp Schuldenpolitik). Ohne Fokus wird es schnell subjektiv, wie du ja selbst in deinem letzten Absatz aufzeigst: es gibt unzählige Vorlagen zur Auswahl. Deshalb der stärkere Fokus auf das konkrete Beispiel mit überschaubaren Rahmenbedingungen.

"dient es dazu mehr klicks zubekommen?" aufmerksamkeitsdefizitsyndrom?
um die Diskussion zugänglicher und lebhafter zu gestalten. Wozu schon wieder ein Seitenhieb gegen die GG-Nutzer?

"und warum gerade die story von brink"?
Thiel's Vision vom Seasteading Institut hat dazu nunmal grundlegende Ähnlichkeiten. Diese erlaubt es Spielern, den Kerngedanken auf einen Blick zu zuordnen. Die Urfassung war in der Beziehung nicht so benutzerfreundlich. Wenn du dich einbringen willst, egal ob lieber durch eine grundlegendere Zukunftsprognose oder nach der neuen Fassung, ich bin ganz Ohr..

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stupormundi (13 Koop-Gamer, 1576 EXP)
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User ist offline. Zuletzt gesehen vor 5 Jahren 1 Woche Offline
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Wordsmyth schrieb:

Mit Protesten in den USA meinte ich die in Wisconsin, Montana, (in geringerem Maße die Proteste gegen die Healhcare-Kürzungen in Ohio), die Proteste in Florida gegen den Bailout. Wallstreet hatte auch einen wenig behandelten Protest (aber nur einige hundert Leute), im nächsten Monat bleibt der geplante Protest gegen die Federal Reserve & Bernake noch abzuwarten.

Glücklicherweise ist es in Amerika in den letzten beiden Jahren trotz aller Probleme, mit denen sich auch die USA konfrontiert sehen, zu keinen Ausschreitungen gekommen. Demonstrationen gab es zweifellos, aber diese sind grundsätzlich auch nicht schlecht.

Zitat:

Die Londoner Ausschreitungen will ich garnicht als politisch Motiviert verharmlosen, aber andere haben durchaus nahegelegt, das eine grundlegende Entfremdung und Hoffnungslosigkeit ebenfalls zugrunde liegen kann, wie z.b. in dem Guardian bericht, oder hier.

Ich kann beim besten Willen in den diesjährigen Ausschreitungen und Plünderungen in England keinesfalls einen Willen zum Wandel erkennen: Haben die Aufständischen politische Ziele artikuliert und verfolgt? Nein, sie haben keine politischen Ziele. Stattdessen haben sie andere ausgeraubt und geschädigt. Im Plündern eines Elektronikmarktes steckt keine politische Message.

Jeden Versuch, diese Ausschreitungen in die Nähe der Freiheitsbestrebungen arabischer Völker oder der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung zu stellen, halte ich für falsch.

Zitat:

Den Schuldenstreit kann ich sicher nicht korrekt wiedergeben, worauf ich hinaus wollte war die Aussage von Boehner selbst. Nun sind die Probleme ja einige wenige Monate hinausgezögert worden, und die Kürzungen müssen erst noch geschrieben werden. Wird vielleicht noch interessant was da zu erwarten ist, ich bin aber der Meinung das die aufgeblähten Verteidigungsausgaben vielversprechendere Einschnitte bieten als z.b. sowas zu beführworten.

Wenn man sich hier die Ausgabenstruktur der USA ansieht, muss man tatsächlich feststellen, dass die Verteidigungsausgaben nicht halb so viel Einsparungspotenzial wie die Sozialstaatsausgaben bieten. Das soll jedoch nicht heißen, dass an den Verteidigungsausgaben nicht gespart werden sollte: Da die USA derzeit keiner Bedrohung ausgesetzt sind, sind hohe Verteidigungsausgaben nicht durch die Realität gerechtfertigt.
Festzulegen wo und in welchem Maße gespart werden soll, wird unglaublich schwer. Der Abbau der Verschuldung wird der Lackmustest für die Fitness des amerikanischen politischen Systems sein.

Wordsmyth (Neuling, 0 EXP)
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Zitat:

Haben die Aufständischen politische Ziele artikuliert und verfolgt? Nein, sie haben keine politischen Ziele. Stattdessen haben sie andere ausgeraubt und geschädigt. Im Plündern eines Elektronikmarktes steckt keine politische Message.

Ein Wille zum Wandel wird auch überhaupt nicht mehr unterstellt. Die Greueltaten der Londoner Plünderungen wurden in den zwei Quellen nicht als politisch motiviert dargestellt - wer würde denn behaupten, die Autos von Nachbarn anzuzünden, oder die Zerstörung der Lebensgrundlage von Geschäftsbesitzern, denen es auch nicht besser geht, wäre eine Aussage gegen das Establishment?

Anders herum gilt es aber auch nicht als bewiesen, das die Gewalttaten der Proteste z.b. in Barcelona politisch geplant waren. Zwei Wochen wurde dort friedlich protestiert, als es dann losging wurden einige der Initiatoren der Randale als Polizisten in Zivil identifiziert. Und das nachdem der Platz gewaltsam geräumt wurde. Ebenso in Griechenland.

Ich glaube einfach nicht, das die Londoner einfach mal so ausgeflippt sein sollen, ohne dass sich über lange Zeit eine irrationale Verunsicherung und Unzufriedenheit aufbaut hat. Zündende Funken gab es zwar genug, und vereinzelte Idioten gibt es immer wieder mal, aber unmotivierte Idioten schädigen das Leben ihrer Nachbarn doch nicht vier Nächte lang, ohne das sich am nächsten Morgen das Gewissen meldet. Vancouver war eine Warnung dass Randalierer von Mitmenschen identifiziert werden. Waren die Verwüster trunken vor Macht? Hatten sie es so nötig zu stehlen? Fühlten sie sich berechtigt, weil die Bänker das Land zuerst ohne Konsequenzen plündern konnten?

Schon lange vorher wurde auf die wachsende Unzufriedenheit aufmerksam gemacht. Dieser Spiegel-Artikel vom Juni zeigt den wachsenden Unmut der zurecht politisch Protestierenden (nicht Londoner), dieser ähnlich düstere Salon.Com-Bericht vom Juli schlägt über die Konsequenzen der Globalisierung in den USA in dieselbe Kerbe.

Sind diese Szenarien nicht über die Weltwirtschaftskrise und der Bereicherung einer Minderheit auf Kosten der Allgemeinheit miteinander verbunden? England hat eine unglaubliche Flächendeckung mit Überwachungskameras, hielten sich die Täter für cleverer? 25% der Bevölkerung sollen in einer polizeilichen Datenbank erfasst werden. Diese 25% machten zum Großteil Täter aus (Opfer werden auch erfasst), aber mir fällt es schwer zu glauben, dass hinter diesem Riesenwert keine finanzielle Notwendigkeit und/oder übermässige Kriminalisierung stecken soll.

Rupert Murdoch hat gezeigt, dass die Korruption im UK nicht vor dem Geheimdienst, dem Scottland Yard, der Polizei, der Presse-Aufsichtsbehörde, den Ministern und dem Amt des Premierministers halt gemacht hat. Folge: Extreme Zerrüttung des Vertrauens in Polizei und Regierung (Guardian), der Eindruck dass bestimmte Bevölkerungsschichten vom sozialen Aufstieg immer weiter ausgeschlossen und ihrer Zukunft beraubt werden (Guardian) und das selbst Englands Millionäre dem Land den Rücken kehren, nachdem sie es haben ausbluten lassen (schon wieder Guardian, sorry^^). Das macht die Looter nicht zu politischen Protestlern, es sind aber mMn genügend Hinweise dafür, dass etwas faul ist. Und nicht auf der Insel oder im Staate Dänemark.

In Verbindung mit den von dir genannten zu erwartenden vier Problemen, (darunter Verteilungskämpfe und verstärkter wirtschaftlichen Konkurrenz) wirft es aber irgendwie auch wieder ein relativierendes/ernüchterndes Licht auf unschöne Dinge wie vorranschreitende Überwachung und erweiterte Befugnisse zur Strafverfolgung.

Wordsmyth (Neuling, 0 EXP)
Beigetreten: 1.1.1970
Zitat:

Wenn man sich hier die Ausgabenstruktur der USA ansieht, muss man tatsächlich feststellen, dass die Verteidigungsausgaben nicht halb so viel Einsparungspotenzial wie die Sozialstaatsausgaben bieten.

738 mrd USD Militärausgaben sind im internationalen Vergleich immer noch unglaublich viel. 2010 waren sie bei weitem höher als die Ausgaben der zehn nächsten Staaten zusammen genommen. Ich lese auch immer wieder, dass darin nicht wirklich alle Militärausgaben angegeben sein sollen. Ich bin da zwar skeptisch, aber hier (defense.gov) werden z.b. noch einmal zusätzlich zum Basis-Budget $159 mrd USD für "Overseas Contingency Operations" (OCO) in Afghanistan und Irak erbeten. Ich glaube im Februar wurde das abgelehnt, bin mir aber nicht ganz sicher.

Außerdem heisst es häufiger, dass das Budget "Proposal" noch nicht alle Ausgaben für das komplette Jahr 2011 beinhaltet, und das die $3.7 mrd USD die konservativste Schätzung abgibt. Moderate Schätzungen sollen eher auf $4.4 mrd USD hinauslaufen. Quelle dazu ist z.b. das "Eisenhower Research Project". Unter "Summary Table 5. The Budget and Other Economic Costs of War" sind die passenden Zahlen zu finden. Als Erklärung heisst es u.a., die $3.7 mrd USD enthalten nicht.. "THESE TOTALS DO NOT INCLUDE: Medicare costs for injured veterans after age 65; Expenses for veterans paid for by state and local government budgets; Promised $5.3 billion reconstruction aid for Afghanistan; Additional macroeconomic consequences of war spending including infrastructure and jobs.", wodurch sich die Verdoppelung der indirekten Kriegsausgaben auf ca $1.5 mrd USD errechnen soll. Weitere offizielle Angaben sind hier(gpoaccess.gov) zu finden (Link in der Annahme dass dich die Werte interessieren, ich will dich nicht damit erschlagen).

Aber ob es jetzt $0.7 mrd oder $1.5 mrd USD sind, im internationalen Vergleich sind die Ausgaben enorm, und es stellt sich wie du schon sagst die Frage, ob man nicht die drei (oder mehr) nicht erklärten Kriege zurück schrauben sollte, wenn zu Hause das Geld für die Bezahlung von Lehrern und Beamten nicht mehr ausreicht, oder um lebenswichtige Sozialleistungen aufrecht zu erhalten. Sozialausgaben bieten sicher hohe Einsparmöglichkeiten, aber die Streichung unbedingt notwendiger Social/Medic/Health-Care Programme bei gleichzeitigem Schutz der temporären Bush (jetzt Obama) Steuererleichterungen für Millionäre kritisieren ja nicht länger nur Keith Olberman, Bernie Sanders und Ron Paul. Aber vielleicht sehe ich Klassenkrieg wo keiner ist, und Deregulierung etc ja schlimmer als sie sind? Argumente dagegen wären jedenfalls mehr als willkommen.

PS: Salon.com hat heute einen Artikel, der größtenteils die boomende heimische Sicherheitsindustrie/Terrorbekämpfung in Zeiten extremer Sparpolitik zum Thema hat, stößt aber auch wieder auf ein wiederkehrendes beunruhigendes Motiv: privatisierte Firmen Seite an Seite mit der Heimatschutzbehörde stocken immer weiter an fast paramilitärisch zu nennendem Gerät auf. Panzerboote mit hightech-Seitensonar um einen winzigen See gegen Terroristen abzusichern, gepanzerte Fahrzeuge mit Geschütztürmen um den Privatbesitz von Dreamworks Pictures zu schützen.. In anderen zahlreichen Berichten Polizisten mit biometrischen Identifizierungs-iphones, die zu filmen ein Kapitalverbrechen ist, Verkehrspolizisten die Daten von Smartphones während einer Verkehrskontrolle überspielen, Drohnen-UAVs um Nationalparks zu patrolieren, Universitäten mit eigenen Swat-Teams, Folter in Guantanomo, im Ausland und auf Verwahrungsschiffen, Gefangennahme und unbefristete Verhaftung von "Enemycombatants" im eigenen Land - auch wenn es US-Bürger sind (=Terrorverdächtige die durch den Verdacht allein sofort alle Rechte verlieren, wobei dieser Verdacht nicht durch Beweise begründet werden muss), National Security Letters als bequeme Knebelbriefe, diebische TSA Agenten die an Flughäfen Passagiere ausrauben obwohl sie für Sicherheit sorgen sollten.. Da läuft etwas sehr sehr falsch..

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