Stille Wasser sind irre

Harveys neue Augen Preview

Steckbrief
LinuxMacOSXPC
Adventure
Point-and-Click-Adventure
ab 12 freigegeben
12
Daedalic Entertainment
rondomedia
26.08.2011
Link
Amazon (€): 15,99 (PC)
Gamesrocket (€): 16.95 (Download) 15.26 (GG-Premium)
Mit "Harveys neue Augen" arbeitet Daedalic nicht etwa an einem "Haben wir alles schon mal gesehen"-Neuaufguss des Hit-Vorgängers "Edna Bricht Aus", sondern hat einige Überraschungen sowie eine Wagenladung voll bitterbösem Humor und völlig irrer Ideen in petto. Davon konnten wir uns jüngst bei einem Vor-Ort-Besuch überzeugen.
Philipp Spilker 7. Mai 2011 - 13:41 — vor 5 Jahren aktualisiert
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"Harveys neue Augen wird noch viel abgefahrener als der Vorgänger" -- das sind die Worte, mit denen uns Edna-Schöpfer Jan Müller-Michaelis in Hamburg begrüßt. Was zunächst wie ein Versuch der Quadratur des Kreises klingt (denn schon Edna Bricht Aus würden wir auf einer Abgefahrenheitsskala sehr weit oben ansiedeln) könnte den Adventure-Experten von Daedalic auch tatsächlich gelingen. Warum das so ist, wollen wir euch in diesem Artikel verraten und euch dabei mitnehmen in eine Welt, in der Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg schon mal für Schatzkisten gehalten werden, in der ehemalige Bond-Bösewichte den Erzähler vertonen, in der lustige Zensurgnome alles Elend mit einem Strich ihres Pinsels vergessen machen. Und in der die Hauptperson, eine kreuzbrave Klosterschülerin, aus Versehen einen nicht geringen Teil ihrer Mitschülerschaft dezimiert.

Kann dieses unschuldige Klostermädchen namens Lilli auch nur einer Fliege etwas zuleide tun? Oh ja, sie kann!
Brave Lilli!Während ihr in Edna Bricht Aus noch mit der irren Edna aus einem Irrenhaus geflohen seid, schlüpft ihr in Harveys neue Augen, das zeitlich nach dem Vorgänger spielt, in die Haut der (nicht unbedingt minder irren) Klosterschülerin Lilli. Die ist so unfassbar brav, dass sie eigentlich alles mit sich machen lässt, wird deshalb von ihren Mitschülern regelmäßig gemobbt und von der Oberin ausgenutzt. Auftritt Edna: Sie ist die einzige Freundin, die Lilli im Alltag zur Seite steht. So auch im ersten Akt des Spiels. Lilli nämlich hat von der Oberin die Aufgabe bekommen, ein Beet im Garten des Klosters umzugraben und, wenn sie schon einmal dabei ist, auch den Schaukelbaum von Termitenbefall zu befreien. Das passt Edna gut, da sie genau in dem Beet, das Lilli umgraben soll, eine alte Schatzkiste vermutet. Und auch einen guten Rat hat sie noch für ihre Freundin parat: Die Termiten dürften sich ihrer Ansicht nach gut mit etwas Süßem anlocken lassen. Woher Edna das weiß? Na: Dreimal dürft ihr raten, wer die Termiten überhaupt erst zum Baum hin lockte.

Wir müssen uns nun also mit Lilli auf die Suche nach etwas Süßem und einer Schaufel machen. Und haben dabei eine im Gegensatz zum Vorgänger stark entschlackte Steuerung zur Verfügung. Vom vor Möglichkeiten nur so überbordenden Verben-Interface des Vorgängers haben sich die Entwickler getrennt, Komfort wird jetzt groß geschrieben in Lilli's Welt. Mit der rechten Maustaste schauen wir uns Gegenstände an, während wir sie mit der linken Maustaste auf verschiedene (vom Spiel jeweils vorgegebene) Art und Weise benutzen. Dadurch dürfte einer der größten Kritikpunkte des Vorgängers, nämlich das überbordende Interface, der Vergangenheit angehören. Und auch die Grafik, die im Vorgänger zwar ein bewusstes Stilmittel, aber nichtsdestotrotz völlig veraltet war, erstrahlt im Sequel in neuem Glanz. So werden nun unter anderem Widescreen-HD-Auflösungen unterstützt. Doch kein Grund zur Sorge für Fans des Vorgängers: Dem unverkennbaren Edna-Stil bleibt man treu. Und Jan Müller-Michaelis, der für Harveys neue Augen sämtliche Hintergründe im Alleingang gezeichnet hat, beteuert: "Wie ihr wahrscheinlich merkt, habe ich auch weiterhin kein Lineal benutzt."

Böse Lilli!
Der "einladende" Kohlekeller der Klosterschule.
Eine Schaufel vermutet Lilli im Keller des Klosters, doch die Tür dorthin ist abgeschlossen. Durch das Kellerfenster können wir nur nach einem alten Pinsel greifen, getreu dem althergebrachten Adventuremotto: "Wenn es nicht festgetackert ist, nimm es mit." Kurz darauf stoßen wir auf unseren Mitschüler Freeman, der sich an den Brunnen des Klosters lehnt. Am Boden des Brunnens vermutet er den Schlüssel zum Keller. Und obwohl er schon irgendwie ein Rebell ist, gesteht er uns, dass er nicht so recht den Mut aufbringen kann, hinein zu klettern. Darüber ist Lilli erleichtert, da es doch bestimmt sehr gefährlich sei dort unten. Und verboten sei es ja sowieso. Unter Zuhilfenahme des Dialogmenüs lassen wir Lilli das mehrmals ausdrücklich betonen. Da wir wissen, dass Verbotenes verlockend ist, kann Freeman nun eigentlich gar nicht mehr anders, als in den Brunnen zu steigen. Wir gehen weiter unseres Weges.

Kaum haben wir das getan, hören wir ein Platschen und einen Schrei. Lilli hingegen hört nur ein "seltsames Geräusch" und geht deswegen neugierig zum Brunnen zurück. Freeman ist nicht mehr da. Das wundert sie. Aber sie denkt nicht lange darüber nach, denn plötzlich fällt ihr Blick auf ein Bienennest, das direkt über dem Brunnen hängt. Bei dem Versuch, an den süßen Honig heranzukommen, fällt dieses aber leider vom Baum herab und mitten in den Brunnen hinein. Während wir nun Freeman verzweifelt schreien hören ("Ich habe eine Bienen-Allergie!"), kriegt Lilli das Ausmaß der von ihr verursachten Katastrophe erneut nicht so recht mit. Wir wollen euch den Ablauf des Rätsels nicht weiter spoilern, aber soviel sei verraten: Lilli schafft es schließlich, das Nest (und auch Freeman) wieder aus dem Brunnen heraus zu befördern, bestreicht den Pinsel mit Honig und schmiert diesen an die Komposttonne neben dem Schaukelbaum. Was sie nicht realisiert: Auf dem Weg sind ihr kleine Honigkleckse von ihrem Pinsel getropft. Und dementsprechend endet die Reise der Termiten nicht etwa beim Kompost, sondern erst beim Ursprung des Honigs. Beim Brunnen. Bei Freeman.

Die Bank neben dem Brunnen, auf der zuletzt der durchnässte und von Bienenstichen übersäte Free
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man saß, wird bei unserem nächsten Besuch von einem Gnom lila angemalt. Freeman ist nicht mehr zu sehen, nur ein seltsames, vor lauter lila Farbe kaum erkennbares Bündel, an dem Termiten nagen. Dass es sich dabei wohl um den Leichnam des Mitschülers handelt, ahnen nur wir. Lilli hingegen ist einfach nur über die Anwesenheit des Zensur-Gnoms erfreut. Sie sieht ihn nämlich öfters, wie er Sachen lila anmalt. Sachen, die Lilli sonst beunruhigen würden. Sie schnappt sich schließlich erleichtert den Kellerschlüssel, den Freeman aus dem tiefen Brunnen geborgen hat, holt sich aus dem Keller eine Schaufel und macht sich daran, mit Edna die Schatztruhe auszugraben -- die sich als Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg entpuppt. Das begreifen aber erneut nur wir. Und auch ihr dürftet inzwischen etwas begriffen haben. Nämlich, dass Harveys neue Augen den schwarzen Humor des Vorgängers nochmals um einiges übertrumpft. Daher glaubt Jan Müller-Michaelis auch nicht so recht, dass es, ähnlich wie der Vorgänger, skurrilerweise wieder zum besten Kinderspiel des Jahres gewählt werden wird. Und wenn doch? "Ich glaube echt, ich könnte den Preis nicht annehmen."

Harveys neue Augen ist mit skurillen Charakteren zum Bersten gefüllt. Hier unterhält sich Lilli mit dem Greis, der einfach irgendwann mal im Kloster vergessen wurde. Er behauptet, schon beim Bau der Gizeh-Pyramiden gelebt zu haben.
Dennis Ziesecke Freier Redakteur - 29503 - 7. Mai 2011 - 14:01 #

Klingt.. skurril. Aber toll. Ich glaube, ich will das haben.

Siak 13 Koop-Gamer - P - 1411 - 7. Mai 2011 - 14:04 #

Herzlichen Dank das dieses Spiel in den Fokus gerückt wird. Gerade Spieleperlen wie diese bleiben einem viel zu oft vorenthalten, weil man einfach nichts von ihnen hört, wenn man denn nicht gezielt nach ihnen fahndet.
Der Vorgänger war jedenfalls brilliant :-)

Vidar 18 Doppel-Voter - 12263 - 7. Mai 2011 - 14:20 #

Hört sich klasse an!
hoffentlich wird die Technik hinter dem Titel besser sein als bei A New Beginning, da musste man ja erst das halbe Spiel mit nem großen Patch austauschen damit es nicht mehr abschmierte.
Oder, um beim Vorgänger zu bleiben, die LAdezeiten nicht wieder so lang sind...

Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22468 - 7. Mai 2011 - 14:53 #

Die Probleme mit A New Beginning waren ärgerlich, aber wir hatten sie während unseres Tests beispielsweise nicht ein einziges Mal. Was die Ladezeiten angeht, weiß ich nichts Genaueres, aber ich würde mal stark vermuten, dass da im Vergleich mit Edna Bricht Aus nachgebessert wird.

Anonymous (unregistriert) 7. Mai 2011 - 17:30 #

Meinst du die Zeiten zum Spielstand Speichern und Laden? Die hatten mich jedenfalls bei Eda genervt...
Ich denke, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass mit denen diesmal alles ok ist.

invincible warrior 12 Trollwächter - 1029 - 7. Mai 2011 - 18:42 #

Ich denke mal, dass Daedalic bei Harveys neue Augen, wie sonst auch auf die Visionaire Engine setzen wird. Bezweifle jedenfalls stark, dass der Tradition wegen wieder nur Java zum Einsatz kommt. Denn der einzige Vorteil von Java war, dass man das ohne weiteres auch unter Linux zum Laufen bringen konnte. Lange Ladezeiten und anderer Javaspaß überwiegte da aber eindeutig.

Tassadar 17 Shapeshifter - 7747 - 7. Mai 2011 - 23:40 #

Die "komfortablere" Bedienung hat aus meiner Sicht mehr Nachteile als Vorteile, was hier gar nicht anklingt. Bei Edna bricht aus bestand gerade ein Teil des Spaßes darin, dass wahnsinnig viele Kombinationsmöglichkeiten aus Verben und Gegenständen zu immer verschiedenen Antworten führten. Durchaus auch viele lustige dabei. Das entfällt nun. Aus Entwicklersicht kann ich das gut verstehen, das war bei Edna sicher ein Haufen Arbeit, aber aus Spielersicht finde ich das keine Verbesserung.

Im Artikel hier hab' ich mind. die Hälfte des Textes beim Lesen versucht zu überspringen, weil da ja fast nur gespoiled wird. Finde ich ehrlich gesagt nicht so gelungen.

JakillSlavik 17 Shapeshifter - 7072 - 8. Mai 2011 - 10:10 #

Dem Beitrag muss ich teils beipflichten, nämlich beim Punkt -> Bedienung <-. Ich sehe es als Geschmackssache an, welche Bedienung die komfortablere von Beiden ist. Bei The Whispered World hat mir die 'Linksklick -Aktion ausführen / Rechtsklick - Inventar' nicht so gut gefallen, da es stark verzögert war und vor allem bei Aktionen auf Gegenstände innerhalb des Inventars nicht immer gut funktionierte.

Außerdem muss ich noch ein großes 'Aber' zur Argumentation mit der schlankeren bzw. komfortableren Bedienung einwerfen: "Edna bricht aus" war von sich aus doch schon schlank im Vergleich zu damals. Ohne Kompetenz absprechen zu wollen, glaube ich, dass Philipp den "Verbenhaufen" mit Jenen aus den LucasArts Adventures von damals verwechselt hat. Man hatte in "Edna bricht aus" exakt 4 Möglichkeiten nämlich: Ansehen, Nehmen, Reden und Benutzen, neben dem Inventar. Außerdem konnte man im Spiel jederzeit bei jedem NPC oder Gegenstand die naheliegendste Aktion per Rechtsklick ausführen. Das bedeutet natürlich Sprechen mit den NPCs und meistens Ansehen von Bildern oder benutzen von Lichtschaltern. Das Inventar selbst konnte man auch einfach per mouse-over aufrufen, wodurch die rasche Cursor-Bewegung nach rechts unten im Vergleich zum Rechtsklick nicht wirklich langsamer ist.

Aber wie bereits oben beschrieben, liegt das im persönlichen Ermessen.

Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22468 - 9. Mai 2011 - 21:52 #

Mit "Verbenhaufen" meinte ich schon die 4 Möglichkeiten bei Edna... die ja vor allem deswegen teils erschlagen wirkten, da Edna mit alles und jedem kommunizierte und es wirklich immer eine Reaktion gab. Ich kann natürlich die Sorge darüber verstehen, dass die komfortablere Bedienung evtl. zu simpel werden könnte, aber das, was ich bisher gesehen habe, lässt vermuten, dass diese Sorge eher unbegründet ist. Von Verzögerungen war auch nichts zu merken.

Ich glaube, sie wird letztlich mehr Vor- als Nachteile für das Spiel haben.

Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22468 - 9. Mai 2011 - 21:49 #

Was das Spoilern angeht, übertreibst du aber. Wir verraten nur Teile eines Rätsels, dass im fertigen Spiel eins der allerersten sein wird -- und selbst da halten wir uns schon zurück. Und was noch? Wir schreiben, dass es im Spielverlauf auch aus dem Kloster heraus gehen wird und wir "mutmaßen", dass das Finale wohl im Irrenhaus spielt. Und dann "mutmaßen" wir nochmal: nämlich darüber, was der Titel Harveys neue Augen eigentlich bedeuten könnte. Und das war's.

Wenn du das als Spoiler ansiehst, darfst du überhaupt keine Preview mehr lesen. Irgendwas müssen wir ja schließlich vom Spiel berichten, ansonsten hätte im Text nur gestanden: "Harveys neue Augen existiert. Es ist ein Adventure. Es erscheint im Herbst 2011." Irgendwie wäre das aber nicht genug Informationsgehalt gewesen, glaube ich.

Glaub mir: Auch nach Lesen unseres Artikels kannst du an Harveys neue Augen noch spoilerfrei rangehen und dich vom Spiel überraschen lassen. Bin ich von überzeugt.

JakillSlavik 17 Shapeshifter - 7072 - 8. Mai 2011 - 10:23 #

Vielen Dank für das Angetestet, Philipp. Trotz meiner leichten Kritik zur Bedienung oben, sehe ich den Eintrag nicht als großen Spoiler an. Viele der Dinge hat man sich wirklich zusammenreimen können. Ich mag deinen Schreibstil und mich hat der Text gepackt und durchgängig mitgerissen. Schön sind auch die ganzen Informationen aus den Gesprächen mit Jan Müller-Michaelis bzw. Daedalic allgemein eingebaut. Das gefällt mir gut.

Auf das Spiel selbst freue ich mich sehr und bin auch der Ansicht, dass es sich grafisch doch zum Besseren im Vergleich zum Vorgänger gewandelt hat. Wenn bei TWW und A new beginning manche Details sogar zu sehr ausgearbeitet wirkten, so war bei Edna doch sehr viel Wohlwollen bei manchen Darstellungen dabei. Soweit ich das von den Screenshots bisher beurteilen kann ist es hier ein gesunder Mix. = )

(Wenn ich wählen müsste, gefällt mir Deponia, aber noch einen Tick besser vom optischen Stil her ;))

Anon (unregistriert) 8. Mai 2011 - 21:17 #

Heute auf der RPC in Köln bei Daedalic nochmal nach Terminen gefragt:

Q3/4 2011 - Harveys neue Augen
Q1/2 2012 - Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten
Q3/4 2012 - Deponia

Nichts ist 100% sicher, aber so plant man gerade, wobei Deponia wohl immer noch keinen Publisher hat.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 324096 - 8. Mai 2011 - 21:30 #

Danke fürs Update!

Y2Solution 11 Forenversteher - 583 - 18. Mai 2011 - 15:01 #

Grafik ist schön...doch schicker als bei Edna. Das wird auf jeden Fall gespielt :-)

Anonymous (unregistriert) 30. Mai 2011 - 11:20 #

Ich liebe einfach Daedalic Spiele, obwohl ich auch gern Quake und co spiele. Das sind einfach die besten Adventures wo gibt. Der Titel steht für mich noch über Diablo 3, TES 5 usw.

Poringosa 06 Bewerter - 82 - 13. Juni 2011 - 17:42 #

Ich freue mich drauf. Bereits den Vorgänger habe ich mit großer Freude gespielt.
Der neue Teil hört sich sehr gut an. ich hoffe nur, dass die neue Steuerung nicht zu simpel wird.

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