Angespielt: Rette die Zivilisten

GC09: Starcraft 2 Preview

Kaum ein Strategiespiel ist so langlebig wie Starcraft, dementsprechend hoch sind die Erwartungen an Teil 2. Wir haben die BlizzCon-Version in Köln probegespielt -- und sind sehr angetan.
Jörg Langer 20. August 2009 - 22:07 — vor 7 Jahren aktualisiert
PC
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Auf der Gamescom hatten wir -- so wie Hunderte von Spielern seit heute morgen auch -- die Gelegenheit, StarCraft 2 - Wings of Liberty anzuspielen. Und zwar die Menschen-Kampagne (Protoss und Zerg werden bekanntlich als Extraspiele nachgeliefert). Wir veröffentlichen unsere Erlebnisse zwar in der Angetestet-Rubrik, verzichten aber auf einen vorläufigen Wertungskasten: Dazu war die halbe Stunde Spielzeit dann doch zuwenig. Auch können wir keine Bilder von der Beispielmission zeigen, es sind aber die neuesten erhältlichen. Unsere Version war übrigens dieselbe, die ab Freitag auch auf der BlizzCon vorgestellt wird.

Die Brücke mit Sternenkarte und drei Protagonisten (von links): Kapitän, Jim Raynor und der grimmige Tychus.

Packender Einstieg

Das Echtzeit-Strategiespiel beginnt mit einer wilden Cutscene, in der sich ein großes Raumschiff mehrerer drachenartiger Angreifer erwähnt. Das Schiff -- es handelt sich um die Hyperion -- feuert aus allen Rohren, flieht dann aber doch lieber per Hyperdrive vor den geflügelten Zergs.
 
Als nächstes sehen wir eine von technischen Störungen verzerrte Nachrichtensendung: Eine futuristische Stadt, Chaos, schreiende Menschen. Dann der Zoom auf eine schreckliche Schönheit, die gemächlich durch die Ruinen schreitend ihre Zerg-Truppen auf die Menschen hetzt. Das ist doch nicht etwa...? Und schon kommt die Gewissheit durch die Breaking-News-Einblendung des Fernsehsenders: „Queen of Blades has returned“ -- die "Königin der Klingen" (aus Starcraft bekannt) ist zurück!
 
Schnitt zur Brücke der Hyperion, die quasi den „Hub“ des Spiels darstellt. Hier stehen die Handlungsträger herum: der Kapitän, der Soldat Tychus (in "Space Marine"-Rüstung) und der aus Starcraft 1 wohlbekannte Jim Raynor (der sich seitdem nicht mehr rasiert zu haben scheint). Wenn ihr sie anklickt, lassen sie entweder ein Standardsprüchlein („Mich langweilt das!“) los, oder ihr seht eine Cutscene, die die Handlung etwas weiterbringt. Ihr könnt also selbst ein wenig bestimmen, wann euch das Spiel welche Informationen gibt. Auch habt ihr von der Brücke aus Zugriff auf die Armory, in der ihr eure Truppentypen gegen Geld permanent upgraden könnt. Das Geld erhaltet ihr für erfüllte Missionen, und dieser spielerische Kunstgriff wird auch gleich erklärt:
 
„Was werfen uns die Zergs dieses Mal entgegen?“, sinniert der Kapitän. Und die Erkenntnis reift schnell, dass mit einem einzigen Großkampfschiff, das auch nur wenige Truppen an Bord hat, kaum im Alleingang eine ausgewachsene Zerg-Invasion gestoppt werden kann. „Die Zergs werden nicht ablassen, bis ir alle tot sind. Lasst uns erstmal Geld finden und unsere Streitkräfte aufbauen."

Die Sternenkarte erlaubt euch die Wahl zwischen (unserer Schätzung nach) bis zu vier Planeten, also Missionen. Links seht ihr den Auftraggeber und die wichtigsten Eckpunkte des Auftrags.

Die Sternenkarte
 
Vor allem aber haben wir von der Brücke aus Zugriff auf die Sternenkarte. Hier warten jeweils mehrere Planeten (und damit Missionen) auf uns, wir entscheiden uns, welchen davon wir angehen. Die "strategische Karte", die Grenzen oder Einflusszonen zu enthalten schien, die wir bei der GC vor zwei Jahren gesehen haben, war in unserem Testspiel nicht zu sehen, das muss aber nichts heißen.
 
Wir haben auf der Gamescom die Wahl zwischen zwei Welten: Agria (eine Randwelt-Kolonie) und Monlyth (eine Protoss Schrein-Welt). Auf ersterer sollen wir Kolonisten vor dem Angriff der Zergs evakuieren. Als Bonus dafür, eine Chrysalis-DNA zu "ernten", winken 60.000 Credits, außerdem können wir als neue Technologie Firebats einsetzen, das sind Anti-Infanterie-Roboter (vielleicht aber auch nur riesenhafte Soldaten), die mit Flammenwerfern bewaffnet sind. Auf  Monlyth geht es hingegen darum, ein Alien-Artefakt zu finden und zu erobern. Unser Bonusziel hier: Protoss-Relikte zu finden, was uns 80.000 Credits einbringen würde. Auf Monlyth wartet als neue Tech die Marauders (in etwa: "Brandschatzer"), das sind Schwere Infanteristen, die mit ihren Treffern Gegner verlangsamen.
 
Oft heißt es in StarCraft 2 - Wings of Liberty "Menschen gegen Zerg" -- aber auch die Protoss werden den Terranern zusetzen.
Wir entscheiden uns, weil besser zum Intro passend, für Agria. Monlyth läuft uns aber nicht weg, wir können diese Mission auch noch später anwählen. Nun wird eine Cutscene eingespielt, die mit Ingame-Filmchen und einer gerenderten Auftraggeberin die aktuelle Situation darstellt: Die Zergs sind über die harmlose Landwirtschaftswelt hereingebrochen, den Zivilisten bleibt nur die Flucht von ihrer relativ gut geschützten Kolonie zum gut geschützten Raumhafen. Das Problem ist der Weg dazwischen -- hier kommen wir ins Spiel.  Die Mission startet mit einem Sanitäter und vier Firebats, keiner der drei genannten Haudegen taucht als Einheit auf. Nach einem Minischarmützel erhalten wir die Kontrolle über die Kolonie, allerdings nur über die Gebäude, nicht über diverse Abwehrtürme und Infanteristen -- die bleiben weiß (statt blau) und freundlich-neutral.

Rettet den Konvoi
 
Das Fiese an dieser Mission: Alle drei Minuten fährt ein gepanzerter Transporter vor, und Zuvilisten beginnen, ihn zu besteigen. Dann fährt er automatisiert Richtung Raumhafen, und wir müssen ihn begleiten. Zum Glück finden sich entlang der Straße zwei Bunker, die jeweils vier Marines (Firebats zählen doppelt) fassen. Mit drei Infanteristen und einem Firebat machen wir gute Erfahrungen dabei, angreifende Zerglings kaltzumachen. Den ersten Transport bekommen wir problemlos durch, doch als wir Zeit damit verplempern, herauszufinden, wieso der Truppennachschub stockt (wir hatten vergessen, das die "Arbeiter" (SCV) der Terraner Mineralien zwar direkt abbauen können, für das grüne Gas jedoch erst eine Raffinerie bauen müssen...), schlagen die Zergs zu: Der zweite Transporter wird auf der Mitte des Weges angegriffen und zerstört, neun unbewaffnete Zivilisten fliehen zu Fuß weiter. Genau einer kommt durch, und wir schämen uns ein bisschen.

In diesem Screenshot kommt die Detailverliebtheit der Grafik und des Leveldesigns gut zur Geltung. Bitte anklicken...
 
Was uns ansonsten auffällt: Die Grafik ist sehr schön, diesen "Landwirtschaftsplaneten"-Stil gab es im alten StarCraft nicht. Auch die Einheiten sind butterweich animiert, die Grafikengine hält sich zwar höflich zurück, doch trotzdem sehen die Schüsse und Explosionen schön aus. Ach ja, und wir können uns mitten im Spiel Tutorial-Videos anzeigen lassen, falls wir die Bedienung nicht (mehr) kennen.
 
Die Bedienung ist altbekannt: Links halten erzeugt ein Auswahlrechteck, Rechtsklick lässt die angewählten Truppen laufen oder angreifen. Auch Befehle wie Patrouille und Stellung halten sind möglich, und natürlich könnt ihr eure Einheiten zu Gruppen formen und auf Zahlentasten legen. Auch am alten Prinzip des Bauens und Rekrutierens hat sich nichs geändert.
Altes Prinzip des Bauens und Rekrutierens
 
Aber zurück zur Mission: 50 Kolonisten müssen die Schiffe erreichen, bislang haben wir nur 10 durchgebracht. Und das schlimmste: Auch der dritte Truck wird abgefangen und mitsamt unseres Begleittrupps komplett aufgerieben. Ab jetzt müssen wir uns konzentrieren...

Ein vorsichtiges Alpha-Fazit
 
Soviel zu unserem Angespielt-Artikel. Für die zweite Mission hat die Zeit leider nicht gereicht, und auch das Upgraden von Einheiten konnten wir nicht ausprobieren. Gerade hiervon -- und von der Wahlmöglichkeiten zwischen zwei oder mehr Missionen in der Sternenkarte -- erwarten wir uns sehr viel, weil wir so unsere Truppen unserem Spielstil anpassen können. So etwas ist schwer zu balancieren, aber in diesem Punkt vertrauen wir dem fanatischen Versuch-und-Irrtum-Designkonzept von Blizzard. Auch der Upgrade-gegen-Geld-Aspekt gefällt uns sehr, und die zurückhaltend animierte Brücke mit ihren anklickbaren Personen -- und es wird auch weitere solcher "Menübilder" geben -- erinnert uns wohltuend an alte Wing Commander- oder Privateer-Zeiten. Es ist ein winziger, aber entscheidender Unterschied: Dadurch, dass wir durch Anklicken in der von uns gewählten Reihenfolge die Cutscenes auslösen, haben wir das Gefühl, sehr viel mehr Kontrolle zu haben -- auch wenn es in Wahrheit ja nur ein wenig Kontrolle ist. Vor allem aber die Missionen wirken vielversprechend: Kolonisten retten, einen gepanzerten Zug (siehe Aufmacher-Screenshot ganz oben) überfallen -- die Designer scheinen sich einiges einfallen zu lassen für den Solomodus.

Summa summarum: Wir sind sehr angetan von dem Gespielten und dementsprechend gespannt auf das fertige Produkt, auch wenn es erst im ersten Halbjahr 2010 erscheinen soll. Wenn ihr auf der Gamescom seid, scheut nicht die langen Warteschlangen vor der StarCraft-2-Area -- es lohnt sich!

Zum Schluss Schlachtfeld-Impressionen aus dem aktuellen Fundus. Und ja, so voll wird's durchaus auf dem Schirm.
 
Autor: Jörg Langer (GamersGlobal)
Jörg Langer 20. August 2009 - 22:07 — vor 7 Jahren aktualisiert
Blacksun84 17 Shapeshifter - P - 6674 - 21. August 2009 - 6:54 #

SC 2 kann nur gut werden. Ich habe den Vorgänger bis heute wohl knapp ein dutzend mal durchgespielt und hatte immer wieder viel Spaß, genauso wie beim immer wieder lesen des SC 1-Tests im GameStar 06/98. Nichts für Leute, die Innovation suchen, aber diese sucht man bei Blizzardspielen ja meistens vergebens ;).

Kobi666 13 Koop-Gamer - 1432 - 21. August 2009 - 8:47 #

Ich muss mir das Spiel selber angucken und dann sage ich entweder: GEIL, oder Gähn. Ich will mich da garnicht so reinsteigern, sonst bin ich nachher wahrscheinlich enttäuscht!

robsetabse 10 Kommunikator - 440 - 21. August 2009 - 8:53 #

ja das spiel kauf ich mir dann. genau so wie diablo 3. blizzard kann man da schon vertrauen.

Faerwynn 17 Shapeshifter - P - 6743 - 21. August 2009 - 12:07 #

2007 habe ich den Multiplayer von Starcraft 2 in Leipzig anspielen können. Mir würde der schon reichen, wer braucht schon eine gescriptete Kampagne gegen Computergegner die entweder schlecht sind oder unfaire Vorteile haben? Ich will gegen Menschen spielen, insofern ein Glück dass die Kampagnen separat rauskommen. ;)

hoschi 13 Koop-Gamer - 1483 - 22. August 2009 - 8:28 #

gegen Menschen spielen will jeder der SC2 hat. Nur wegen den Soli-Modi kauft sich das Ding keiner. Aber ein schönder Solo-Modus ist doch auch was feines...

Blacksun84 17 Shapeshifter - P - 6674 - 22. August 2009 - 9:40 #

Ha, von wegen. Ich habe schon SC 1 seit 98 ein dutzend mal durchgespielt, aber den Multiplayermodus fasse ich nicht mehr an, weil ich zu langsam für diese Art von Powermikromanagementsuperrusherpartien bin. Ich bin halt eher ein Age- als ein StarCraft-Spieler. Von daher werde ich auch SC 2 nur wegen der Story kaufen und sicherlich oft spielen, mich aber nicht online gegen Profis im Battlenet zertreten lassen. Und es gibt sicherlich noch mehr Leute wie mich, die in Blizzard-Spielen nicht nur den tollen Multiplayermodus sehen.

Christian Korndoerfer 14 Komm-Experte - 2103 - 28. August 2009 - 4:44 #

Titus? Der Marine heisst Tychus Findlay

Oberpanda 07 Dual-Talent - 110 - 16. September 2009 - 7:37 #

Die mangelnden Komfortfunktionen, die als Kritikpunkt von StarCraft 2 oft angebracht werden, werde ich sicher nicht vermissen, das hab ich beim ersten Teil ja auch nicht getan. ;) Gut finde ich den Zugewinn von Atmosphäre durch die WingCommander-ähnlichen Zwischengespräche auf der Brücke der Hyperion. Klasse. Hoffentlich wird es wirklich gut und kein unberechtigter Hype. Machts noch einmal, Blizzard. :) Sehr gute Preview im Übrigen.

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