Angetestet: Deutschland baut auf

Cities XL Preview

Cities XL schickt sich an, den Aufbauthron zu ergattern – mit einem ausgeklügeltem Wirtschaftssystem, bogenförmigen Straßen, organischer Ausbreitung und einem optionalen Abo-Modell, das 5 Euro im Monat kostet. Kann es gegen Hochkaräter wie Anno 1404 bestehen, und werden die Kunden eine Gebühr für den Multiplayermodus hinnehmen?
Tim Gross 28. Juli 2009 - 16:49 — vor 7 Jahren aktualisiert
PC
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Was habt ihr 1989 gemacht? Die einen haben vermutlich noch munter in die Windel gemacht, die anderen den Fall der Mauer bestaunt und die neuen Nachbarn in Empfang genommen. Und dann gab es sicher noch eine dritte Gruppe, die sich zu Hause verbarrikadiert und eine ganz eigene Welt gebaut hat: Die Sim-City-Veteranen. Hat der letzte Teil der bekannten Serie doch eher enttäuscht, dürfen sich die altgediegenen Fans, aber auch alle anderen Aufbauspieler, auf Cities XL freuen. Eine Sache ist im Jahr 2009 allerdings radikal anders, denn die Zeiten, in denen Entwickler mit kostenlose Patches neue Inhalte auf die heimischen Computer brachten, sind vorbei. Heute wollen sie und ihr Publisher Geld für wichtige Spielelemente sehen, zusätzlich zum Kauf des Hauptspiels, wohlgemerkt. GamersGlobal über einen überraschend positiven Betatest  -- mit leicht fadem MMO-Beigeschmack. Ja, ihr habt richtig gelesen: Auch das Aufbaugenre bewegt sich auf die typischen "persistenten Welten" zu.

Ohne Moos online nix los

Wir dürfen stufenlos zoomen – das Satellitenbild erleichtert die Entscheidung, wie wir unsere Infrastruktur aufbauen.
Cities XL will viel mehr sein als eine Städtebausimulation, der Entwickler Monte Christo bezeichnet es als Aufbau-MMO. Und tatsächlich basteln wir zu Beginn erst Mal einen Avatar mit dem sehr umfangreichen Editor. Egal ob Knollnase mit Bierbauch und Handwerkerdress oder Business-Typ im Smoking – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Das erinnert ein wenig an Die Sims, was bei der Vergangenheit mit Sim City nicht wirklich überraschend ist. Sobald wir mit unserem neuen Bürgermeister zufrieden sind, erobern wir die Welt. Ja klar, um Territorien wird hier nicht gekämpft, aber es gibt tatsächlich einen gigantischen virtuellen Globus, auf dem wir in den nächsten 20 Stunden aus einem Fleckchen Erde eine Weltmetropole errichten. Im Betatest stehen uns sogar drei Planetensysteme zur Verfügung. Die Planeten fungieren dabei als Server wie bei Online-Rollenspielen. Soll heißen: Änderungen bleiben auch beim Ausloggen bestehen, die Welten sind persistent -- ist die Stadt erst mal errichtet, wird sie so schnell nicht wieder gelöscht. Auf jedem Planeten finden so um die 15 – 17.000 Städtebauer Platz, die im finalen Spiel 5 Euro Abogebühr pro Monat löhnen sollen. Dafür bekommen sie allerdings nur fünf Slots für Städte. Offensichtlich will Publisher Flashpoint zu Beginn die Serverkosten niedrig halten. Ob’s funktioniert und die Leute trotzdem zahlen, muss sich erst noch zeigen.

Und begonnen hat alles mit diesem kleinen Bagger – daraus werden bald Hunderte, wir stampfen aus der Wüste eine Entertainment-City – Las Vegas macht’s vor, wir machen’s hoffentlich besser.

Also, wo soll GG-Town entstehen? Und noch wichtiger, was für eine Stadt wollen wir überhaupt bauen? Ein Industriemoloch mit dampfenden Schloten, in denen Metalle zu Geld veredelt werden? Oder doch lieber ein verträumtes Küstenstädtchen, um die gepeinigte „Killerspiel“-Seele baumeln zu lassen? Umweltschänderl die wir sind, entscheiden wir uns für Ersteres und erschaffen eine Mischung aus Detroit und Las Vegas – nur größer, schöner und ohne Donald Trump. Doch bevor wir beginnen, werfen wir einen Blick auf die Rohstoffanalyse. Denn ähnlich wie in Anno 1404 gibt es in den einzelnen Planeten-Arealen verschiedene Rohstoffe, manche im Überfluss, andere nur selten. Wasser ist natürlich eine wichtige Ressource, die wir zum Überleben benötigen.

Genauso wichtig ist uns aber das  Öl, das wir brauchen, um Kerosin herzustellen. Das können wir später an unsere reiche Kundschaft verkaufen – der Privatjet will schließlich auch frühstücken. Während bereits die ersten Dollar-Noten in unseren Köpfen herumgeistern, sorgen wir mit einigen gezielten Mausklicks zunächst für ein paar Bauflächen. Diese werden direkt von angrenzenden Straßen begleitet, die – den Bau-Göttern sei Dank – nicht im typisch amerikanischen Quadratsystem gebaut werden müssen, sondern durchaus Kurven enthalten können: Egal ob viereckig, mit zulaufender Spitze oder als Pentagon, angehende Architekten dürfen sich hier voll austoben und eine organisch wachsende Stadt bauen, was natürlich viel lebendiger aussieht als in vielen anderen Strategiespielen.

Schicht-System

Die Bauarbeiter, die gerade unsere Stadt wachsen lassen, arbeiten dank Tag- und Nachtwechsel nicht nur im Schichtsystem, sondern stellen auch eine eigene Bevölkerungsschicht mit eigenen Bedürfnissen. Generell unterteilt sich die Bevölkerung in unqualifiziert, qualifiziert, Führungskräfte und Eliten. Das Levelsystem funktioniert hierbei ähnlich wie in Anno 1404: Je weiter die Arbeitskräfte im Rang aufsteigen, umso mehr quengeln sie und wollen mit allerlei Annehmlichkeiten bedacht werden. Und die verschiedenen Schichten sind enorm wichtig, denn jedes Gebäude benötigt Arbeitskräfte. Je fortschrittlicher und effektiver ein Bauwerk ist, desto kompetenter müssen auch dessen Mitarbeiter sein. Das macht natürlich Sinn, schließlich sollte ein Chirurg schon studiert haben, bevor wir uns unter sein Messer legen. Ergo braucht auch ein Krankenhaus genügend qualifiziertes Personal und Führungskräfte, damit es von uns gebaut werden kann.

Die Führungskräfte heben zwar auf der einen Seite den Lebensstandard unserer Stadt an, kosten aber auch wesentlich mehr Geld. Und damit nicht genug, haben sie auch noch Bedürfnisse. Letztere sind allerdings schnell befriedigt. Hier eine Schule für die Kinder, eine Feuerwache um das Familienhaus vor Brand zu schützen und eine Polizeistation um sich sicher zu fühlen – schon sind die Führungskräfte zufrieden. Und hier klafft in der Beta noch ein großes Balance-Problem: Wenn wir Führungskräfte ansiedeln, ziehen diese niemals aus, selbst wenn sie notorisch unzufrieden sind. Die höhere Schicht der Eliten ist im Vergleich deutlich anspruchsvoller, fordern sie doch dutzende von Krankenhäusern, Einkaufszentren, Kindergärten, Schulen und Universitäten. Trotzdem ziehen sie Ruck Zuck wieder aus, sollten wir mal nicht nach ihrer Pfeife tanzen.

Cities XL fühlt sich mit seinem Schichten-System sehr authentisch an. Wenn ihr euch beispielsweise bei eurem Verkehrsnetz verplant, riskiert ihr Staus. Und wenn der Eliten-Manager mit seinem Porsche nicht zur Arbeit kommt, erwirtschaftet er auch weniger Geld, was uns dann nachher fehlt. Um solche Engpässe zu umgehen, gibt es diverse hilfreiche Beratertools, die mit farbigen Einblendungen über Problemherde informieren und für ausreichend Feedback sorgen. Abnehmen tun sie uns die Arbeit aber nicht. Und das ist auch gut so, immerhin konnte man bei Sim City Societies quasi im Schlaf Geld verdienen. Hier muss man schon mal seinen Kopf anstrengen, um weiter zu kommen.

Stadtplaner frohlocken: Endlich gibt’s keine vorgeschriebene Straßenbauweise mehr – ob rund, eckig, achteckig oder gerade – der Weg ist das Ziel. Aber Achtung: Kommt der Manager mit seinem Porsche nur in Staus...
heini_xxl 15 Kenner - P - 2951 - 28. Juli 2009 - 21:41 #

Gute Preview, eins meiner Wartespiele.
Das Fazit kann ich so unterstreichen: bestimmte Aspekte gehören in die Vollversion einer Städtebausimulation, alles andere ist Abzocke.
Mich reizt der MMO-Aspekt dabei überhaupt nicht, ich suche eine zeitgemäße Version von SimCity. Wenn aber Erweiterungen wie Wahrzeichen oder neue Häusermodelle nur gegen Geld zu haben sind - ohne mich. Bei 5 Euro hat man nach 8 Monaten das Spiel ja fast zweimal gekauft...da bleib ich lieber bei SimCity 4 und nutze kostenlose Erweiterungen aus der Community, die halten ein 6 Jahre altes Spiel immer noch gut in Schuss.

BFBeast666 14 Komm-Experte - 2062 - 28. Juli 2009 - 22:39 #

Ich bin ja dafür, daß Spieleentwickler mit ihren Produkten Geld verdienen. Aber wenn ein Spiel so direkt aufs Abkassieren ausgelegt ist, halte ich meinen Geldbeutel lieber an der kurzen Leine. Und für mich sieht Cities XL bie jetzt wie ein aufgehübschtes SimCity aus.

Die Sims sind deswegen so erfolgreich, weil sie eine extrem breite Masse ansprechen, was man von Städebausims nicht grade sagen kann.

Creasy (unregistriert) 29. Juli 2009 - 10:33 #

Aufs Abkassieren aus sind? Häh? Dafür werden Spiele gemacht.. ebenso wie Musik, Filme, etc. Um Geld damit zu verdienen.
Hab bisher nichts von dem Spiel gewusst, freu mich jetzt aber richtig drauf.

Robert Stiehl 17 Shapeshifter - 6035 - 29. Juli 2009 - 11:07 #

Sehr aufschlußreicher Angetestet-Artikel. Danke.

peo 07 Dual-Talent - 128 - 29. Juli 2009 - 11:26 #

Schöne Preview, erinnert mich an das Gute alte Industriegigant. Aber ich bin etwas skeptisch das es diesen wirtschaftlichen Umfang wie Anno 1404 hat und das das Spiel einfach insgesamt Rund wird. Und der MMO Teil ist wlrklich nicht ansprechend also im Moment nicht.

SayWhatTF 15 Kenner - 3351 - 29. Juli 2009 - 17:03 #

Ein wirklich gelungener Test, lässt sich wirklich gut lesen und ist zudem auch noch sehr informativ :)

Auf das Spiel freue ich mich natürlich auch, da ich bei SC Societies auf den Kauf verzichtet musste, weil dort einfach auf die wichtigsten Spieleinhalte verzichtet wurde, um ein Produkt für den Massenmarkt zu verkaufen ;(

Derzeit vertreibe ich mir noch die Zeit mit Anno1404, das einen durchaus zu fordern weiß
Ob ich mir auch Cities XL zulegen werde erde ich mir aber wenn es so weit ist aber gut überlegen, da ich es nicht einsehe für ein unvollkommenes Spiel (da das öffentliche Verkehrsnetz fehlt...) die üblichen 35-45€ zu zahlen - für die fehlenden Elemente kommen dann noch weitere 15€ dazu und dann wird noch erwartet, dass ich noch pro Monat 5€ zahle -.-

Da greife ich doch lieber zu SimCity4, welches bei mir noch installiert ist ;)

Phoenix 16 Übertalent - 4127 - 31. Juli 2009 - 8:41 #

Sehr guter Test und bis jetzt sieht es wirklich gut aus! (Freier Straßenbau JUHU :D)

5 Euro im Monat für Online-Abo?? hmmm

Marco Büttinghausen 19 Megatalent - P - 19331 - 31. Juli 2009 - 12:34 #

Ist die NDA mittlerweile gelüftet worden? Hab das nicht mehr verfolgt. Wollte vor ein paar Wochen mal darüber schreiben, sah die NDA in der Beta aber als bindend an.

Gabriel Engelhardt 06 Bewerter - 72 - 9. August 2009 - 14:57 #

Das schreckt mich jetzt ab, dass man Gebühren zahlen muss.
Aber man muss sagen wenn einem für das Geld was geboten wird kann man schonmal ein Auge zudrücken aber wenn noch kostenpflichtige Servicehotlines und ander Kosten dazu kommen seh ich schwarz.

Eldest 13 Koop-Gamer - 1718 - 9. August 2009 - 16:34 #

Ich hatte Cities XL in die BETA ziemlich schnell liegen lassen. Allein schon die Charaktererstellung...
Aber dieser Artikel macht mir wirklich wieder Lust drauf.

Gabriel Engelhardt 06 Bewerter - 72 - 10. August 2009 - 19:29 #

Das muss mich schon sehr umhauen damit ich über die Gebühren hinweg sehe.

Anorrath (unregistriert) 7. September 2009 - 19:16 #

Bedenkt aber auch das es nicht zwingend ist online zu zahlen mann kann auch im sp spielen nur das man dort halt nicht die vorteile hat wie im Mp . Im MP kann man megabauwerke nicht alleine stämmen deshalb wird es auch nötig sein sich mit anderen leute zusammen zu setzten und die Projekte angehen . Im SP wird das warscheinlich zimlich schwer werden denn die Projekte kosten warscheinlich nicht nur geld sondern auch Arbeiter etc die man warscheinlich nicht durch eine einzige Stadt bewältigen kann außerdem die die sich die Life Time vorbestellen zahlen nur 90 Euro erhalten aber auch eine menge extras und natürlich fällt die online gebühr von 7 Euro pro monat weg (billiger als WoW)

Oberpanda 07 Dual-Talent - 110 - 16. September 2009 - 8:16 #

Schaffe, schaffe, Häusle baue. Aber sicher nicht mit diesem Spiel. Das Vertriebsmodell klingt arg danach, dass man über den Tisch gezogen werden soll. Ein gelungener Bericht. :)

rabauke 12 Trollwächter - 1056 - 28. September 2009 - 20:47 #

Nach der Demo freu ich mich schon sehr auf das Spiel. Man durfte ja nur 7 Tage spielen. Aber als Fan solcher Städtebauspiele hat man ja kaum Alternativen, wenn man auch mal was Neues spielen will. Ich glaube, ich gebe dem Spiel trotz der Gebühren eine Chance.

Triton 16 Übertalent - P - 5287 - 1. Juni 2013 - 19:37 #

Mir hat das Spiel viel Spaß gemacht aber leider gab es zu wenig abonnenten.

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