Große Papas schießen schärfer

Bioshock 2 Preview

Das Münchner Nieselwetter kurz nach Nikolaus passte schon mal gut zum Bioshock-2-Termin. Nach einer Entwicklerpräsentation, einem Interview und vor allem dem eigenhändigen Anspielen sind wir noch ein wenig schlauer geworden und wollen euch davon berichten, was spannend werden wird in Bioshock 2.
Jörg Langer 11. Dezember 2009 - 13:39 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Es ist nicht übertrieben, wenn wir behaupten, dass die erste Begegnung mit einer Little Sister in Bioshock eines der aufwühlendsten Erlebnisse unserer Spielerkarriere war. Eigentlich sind die Little Sisters kleine Monster, die mit riesigen Spritzen herumliegenden Leichen das "Adam" aussaugen, eine kostbare Substanz. Aber sie sehen eben auch aus wie kleine Mädchen, und -- wie wir im Laufe der Handlung erfuhren -- waren es auch tatsächlich einmal. Vor die Entscheidung gestellt, die Little Sister entweder "zu ernten" oder sie leben zu lassen (ersteres würde uns größere Vorteile geben), hatten wir im Sommer 2007 vor unserem Monitor wirklich eine moralische Entscheidung zu fällen, die uns nahe ging -- eine extrem seltene Situation in einem Computerspiel. Dass es dann spielerisch doch gar keine so großen Nachteile bringt, die Little Sisters leben zu lassen, sondern dass diese sich immer wieder mit kleinen Geschenken bedanken, konnten wir da noch nicht ahnen -- und es änderte auch nichts an der Großartigkeit dieser Szene. Ebenfalls faszinierend fanden wir die symbiotische Beziehung der Little Sisters zu ihren Big Daddys: riesenhaften deformierten Wesen, die sich in ihren massiven Tieftauch-Anzügen mit schweren Schritten und Walgesang-artigem Grunzen ankündigen. Und die mit ihreren schweren Waffen alles tun, um Gefahren von ihrer Little Sister fernzuhalten.

Unser kommentiertes Video zeigt euch einige Neuerungen, unter anderem eine "Adamsernte-Defensivschlacht".

In Bioshock 2 - Sea of Dreams, ihr wisst es vermutlich längst, schlüpft ihr ab Februar 2010 selbst in die Rolle eines Big Daddy. Aber nicht irgendeines, sondern des ersten oder zumindest des ersten überlebenden. Subject Delta ist euer Name. Und obwohl ihr im Gegensatz zu den späteren Modellen einen eigenen Willen habt und Plasmide (die "Zaubersprüche" von Bioshock 2) benutzen könnt, hat euch vor über einer Dekade irgendetwas ausgeknockt. Zehn Jahre sind seit den Ereignissen in Bioshock 1 vergangen, zehn Jahre, in denen sich die einst als Utopia angelegte Unterwasserstadt deutlich zum Schlechteren entwickelt hat. Und dabei war schon der Ausgangspunkt in Bioshock 1 eine desolate Horror-Metropole nach einem mörderischen Bürgerkrieg! 

Der Riesenbohrer beweist es: Wir spielen dieses Mal einen ausgewachsenen Big Daddy.


Sehen, Hören, Spielen

In gefluteten Räumen oder auf dem Meeresboden profitieren wir davon, dass wir im Prinzip ein wandelnder Tiefsee-Tauchanzug sind.
Der Bürgerkrieg (vor dem ersten Teil spielend) ist übrigens Thema des Multiplayer-Modus, aber dazu später mehr. Wir haben uns diese Woche den heiß erwarteten Titel vor allem in Sachen Solomodus angesehen. Zunächst spielte Senior Producer Melissa Miller den Titel eine gute halbe Stunde lang vor, während Creative Director Jordan Thomas das Geschehen lebhaft kommentierte. Danach haben wir ein längeres Interview mit beiden geführt, das ihr euch etwa über den Facts-Kasten rechts bereits anschauen könnt, das aber in Kürze auch mit deutschen Untertiteln zur Verfügung stehen wird. Schließlich konnten wir dann selbst einen Xbox-360-Controller in die Hand nehmen. Das Spiel wird aber zeitgleich auch für PS3 und PC erscheinen, letztere Version dürfte die am besten steuerbarste werden.

Das Jahrzehnt, das vergangen ist, seit ihr Rapture von Andrew Ryan befreit habt, ist der Unterwasserstadt nicht gut bekommen. Weite Teile sind mittlerweile vom Wasser erobert und für die nette Einwohnerschaft (vor allem wahnsinnige Splicer, die immer verzweifelter nach der Substanz Adam suchen) nicht mehr zugänglich. Dr. Sophia Lamb ist die neue Antagonistin: Sie will die buchstäblich untergegangene Zukunftsstadt retten und hat eine Religion gegründet, die auf Hilfs- und Opferbereitschaft beruht. Klingt doch super, "Das Überleben der Gemeinschaft sichern" und so, nur leider dreht sich der im Ansatz löbliche Ansatz ins Extremistisch-Perverse. Bei der Opferbereitschaft ihrer Jünger tritt sehr schnell das Opfer an erste Stelle: Was macht es schon, wenn Hunderte grausam sterben müssen, damit "die Gemeinschaft" überleben kann?

Wo ist unsere kleine Schwester?

Ihr habt zu Beginn des Solomodus erstmal ein ganz anderes Problem: Wie alle Big Daddys, so seid auch ihr dauerhaft mit einer Little Sister verbunden. Nur, die ist irgendwie abhanden gekommen. Also erhebt ihr euch mühsam, aufgeweckt von der schon aus Teil 1 bekannten Bridgette Tenenbaum. Ihr kennt sie noch als diejenige, die für die Umwandlung kleiner Mädchen in wüste Adam-Sammlerinnen verantwortlich war. Nun erfahrt ihr, dass ihre Schuld anscheinend ein wenig indirekter ist: Sie erschuf die Big Sister (von der in Teil 1 nichts zu sehen oder hören war), und diese wiederum hat sich viele kleine Abbilder geschaffen -- obwohl sie, so Tenenbaum, nicht böse sei, sondern "wie der Golem aus der Geschichte gar nicht weiß, was sie für Unheil anrichtet". Damit ist die Marschrichtung klar: Erstens, sich in Rapture zurechtfinden, aufleveln, das Übliche. Zweitens, eure Little Sister finden. Drittens, die Big Sister als Bedrohung beseitigen. Wir vermuten, dass die Ziele 2 und 3 sehr eng beisammen liegen...

Die Big Sister ähnelt trotz Spritze viel mehr einer agileren Fassung der Big Daddys als den Little Sisters.

Eure "Kleine Schwester" heißt wohl Helena oder Elenora, ganz sicher sind wir uns nicht. Im Spielverlauf findet ihr immer wieder Hinweise auf sie, die offensichtlich in Sophia Lambs Kult eine wichtige Rolle spielt. Und auch sonst habt ihr häufig mit der "Religion" zu tun. Einer eurer Zwischengegner etwa heißt Brother Wales. In seiner Kapelle sitzt seine Herde fast wie in einer echten Kirche -- nur dass die Gläubigen samt und sonders tot sind. Ihr seht schon, der typisch zynische Humor der Designer findet sich auch im zweiten Teil wieder. Anderes Beispiel, gefällig? Der Level, den wir selber spielen konnten, drehte sich um eine Art "Theme Park der Oberwelt": Den Kindern von Rapture wurde in diesem Gruselpark eingebläut, dass an der Oberfläche nur Wahnsinnige, Räuber und Mörder leben. Einige der "Schaubuden" funtkionieren noch, wenn ihr den Park besucht...

Während ihr in Teil 1 lebenden, normalen Personen niemals direkt begegnet seid, sondern sie nur mal aus der Ferne gesehen oder mit ihnen per Funk geredet habt (wir reden nicht von den Zwischenbossen), trefft ihr nun auf einige Personen aus Fleisch und Blut. Was ihr selbst ja nicht seid, dies nur zur Erinnerung. Über diese Menschen werdet ihr dann (nach Aussage der Designer) jeweils "ein Urteil sprechen" -- diese Urteile werden sich auf das Finale des Spiels auswirken.

Im Theme Park "Journey to the Surface" (Reise zur Oberfläche) lernten einst die Kinder Raptures, dass sich das Verlassen der Unterwasserstadt auf gar keinen Fall lohnt...

Zachrid 07 Dual-Talent - 119 - 11. Dezember 2009 - 16:59 #

Meine Befürchtung ist, dass die Story von BS2 etwas zu sehr "gewollt" wirken wird - also den üblichen Makel des zweiten Teils haben wird. Vor allem, dass die Big Sister mit einem mal aus dem Nichts auftaucht und schon immer da war, macht mir Sorgen.

Schaudern lässt mich die Sache, dass das Hacking offensichtlich durch Quicktime-Events ausgetauscht wurde (wer auch immer diese Spiel-Idee erfunden hat, gehört an nicht näher erwähnten Körperteilen aufgehängt) da wäre es mit doch lieber gewesen, wenn man das Hacken ausgebaut hätte.

Auf den Multiplayer-Modus bin ich aber gespannt.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 344905 - 11. Dezember 2009 - 17:43 #

Quicktime-Events sind das keine, sondern ein simpler Reaktionstest: Die Nadel schnellt von links nach rechts und wieder zurück, und du musst im richtigen Moment die Taste drücken.

Zachrid 07 Dual-Talent - 119 - 12. Dezember 2009 - 16:37 #

Ja, gut QTE kommen der Definition nach eigentlich nur in Zwischensequenzen vor... Aber im Prinzip ist das auch nicht so viel anderes als "wenn X aufleuchtet auf schnell genug Taste X drücken" ... da wäre mir das Klempner-Rätsel doch lieber gewesen. ;)

Incanus (unregistriert) 11. Dezember 2009 - 17:26 #

Ich bin derselben Meinung wie "Zachrid"; die Story wirkt aufgesetzt und insgesamt ist wohl nicht damit zu rechnen, dass sich das Spiel neu erfindet und an den entscheidenen Stellen verbessert wird, eigentlich schade; die Macher hatten/haben genug Zeit dafür gehabt. Ob es der MP maßgebend richten wird, ist noch längts nicht raus!

Ob ich es am Ende doch kaufe, wird sich ebenfalls zeigen, hängt natürlich stark von der Wertung auf GG ab!

Pro4you 18 Doppel-Voter - 12684 - 11. Dezember 2009 - 18:48 #

Das Testvideo ist etwas Dunkel,aber ein schöner test.
Leider einer der Games die ihre Exclusivität verloren ahben,werds mir trozdem kaufen =) Übrigens Special Edition ist glaub ich mit einer Lp oder Single.

Grinzerator (unregistriert) 11. Dezember 2009 - 19:49 #

Klingt bisher ganz gut, auch wenn ich den Vorgänger nicht so toll fand wie die internationale Presse.
Die Idee, den Multiplayer die Vorgeschichte von Bioshock 1 erzählen zu lassen finde ich aber ziemlich genial, auch wenn die Story sich wohl auf herumliegende Schilder und beschmierte Wände, sowie vllt ein paar zufällige Zwischenrufe beschränken dürfte. Trotzdem, einen Multiplayermodus, der das Singleplayerspiel sinnvoll erweitert, findet man nicht oft.

melone 06 Bewerter - 1512 - 11. Dezember 2009 - 20:16 #

Bioshock war größtenteils ein fantastisches Spiel mit einer außergewöhnlich gelungenen deutschen Synchro - haben die jemals einen Preis dafür bekommen? Es hat mich auch immer an Die Stadt der verlorenen Kinder erinnert. Ich glaub nicht, daß mich Teil 2 ebenso fesseln wird.

Hmmm, ein ganz neues Shock wär irgendwie besser gewesen.

InvalidNick 07 Dual-Talent - 136 - 11. Dezember 2009 - 21:00 #

"Beweungsgeschwindigkeit", Seite 2 im Bereich "Multiplayer: ein anderes Spiel", erster Absatz.

Porter 05 Spieler - 2981 - 12. Dezember 2009 - 12:50 #

der Kritikpunkt: "Grafik wirkt nicht mehr ganz so faszinierend wie in Teil 1" fällt bei mir irgendwie am meißten ins gewicht, irgendwie hab ich mich an dem ganzen Setting Sattgesehen.

jaws 15 Kenner - 3020 - 12. Dezember 2009 - 15:48 #

Auf Bioshock 1 war ich gespannt wie Schmitz Katze. Die Demo hat es dann geschafft mich mit Design und Grafikpracht zu blenden. Das Artdesign und die Spielwelt waren wirklich ein Hingucker. Leider musste ich nach Kauf der Vollversion feststellen, dass hinter dem Spiel leider ein mehr oder weniger ordinärer Shooter steckt. Ich hatte mir auch leider deutlich mehr RPG Elemente erhofft. Dazu die nervigen Minispielchen wie das Hacken. Die Story war bis zu dem Zeitpunkt, wo ich das Spiel beiseite gelegt habe, okay, aber auch keine Offenbarung.

Hm, worauf ich eigentlich hinauswill: der Zock macht mich nicht an, insbesondere nicht, nachdem ich hier die Preview gesehen habe.

McFareless 16 Übertalent - 5567 - 12. Dezember 2009 - 21:06 #

Hört sich gut an...bin leider zu jung:)
Schöner Artikel!!!

BIOCRY 15 Kenner - P - 3270 - 14. Dezember 2009 - 0:33 #

Also ich mochte Teil 1, habe ihn mehrmals durchgespielt, sowohl auf Deutsch, als auch auf Englisch. Setting, Sound und Atmosphäre haben mich begeistert und ich freue mich auf den 2.Teil, sieht doch ganz gut aus.
Frage: Sind für die PC Version Achivements für Windows-Live geplant? Ich will meinen Punktestand erhöhen :-) Bei Teil 1 gab's die nur für Konsole :-(

Benni (unregistriert) 13. Dezember 2009 - 19:53 #

"Sie will die buchstäblich untergegangene Zukunftsstadt retten und hat eine Religion gegründet, die auf Hilfs- und Opferbereitschaft beruht."

Das ist sehr interessant, wenn man bedenkt, dass der erste Teil auf der Philosophie des Objektivismus aufbaute und Rapture letztlich unterging, weil Andrew Ryan diese Philosophie nicht mehr befolgte. Opferbereitschaft wird im Objektivismus abgelehnt, dort steht vielmehr das Wohl des Individuums über dem Wohl des Kollektivs. Und nun ist dieser Grundsatz ins komplette Gegenteil verkehrt und Rapture damit nur noch eine leere Hülle. In meinen Augen eine großartige unterschwellige Bedeutungsebene!

Jörg Langer Chefredakteur - P - 344905 - 14. Dezember 2009 - 16:21 #

Völlig korrekt, 2k Marin geben sich auch auf der Story-Ebene große Mühe.

Anonymous (unregistriert) 13. Dezember 2009 - 21:03 #

Als ich das Video zum ersten Mal gesehen habe, dachte ichj es läge an dem Rotwein...aber das Video ist wirklich sehr dunkel und deine Stimme auch sehr leise.....

ansonsten wieder mal ein gelungener Test!!!!

Spartan117 13 Koop-Gamer - 1398 - 13. Dezember 2009 - 22:42 #

Bei Bioshock 2 hatte ich anfangs an die Stadt bevor ihrem Untergang gehoft.. also das da nen bisschen Leben ist das würde mich mal richtig interessieren.

Trotzdem sieht das Game für mich cool aus mir hat der erste schon sehr gefallen.. mal schauen ob der zweite genau so gut wird :)

melone 06 Bewerter - 1512 - 14. Dezember 2009 - 19:42 #

Ich wäre gerne zu einem Zeitpunkt eingestiegen, als Rapture noch intakt ist und es aber zu kriseln beginnt.

Pyrojat1703 (unregistriert) 20. Dezember 2009 - 18:42 #

Bioshock 2 erscheint genau an meinem Geburtstag. Hoffentlich ist BS2 ein gutes Geschenk:) Sieht auf jeden Fall gut aus.

Bioshock war und ist mein Spiel dieses Jahrzenhnts!

PS: Sehr gutes Video:)

Spartan117 13 Koop-Gamer - 1398 - 5. Februar 2010 - 12:59 #

das was melone sagt würd ich auch spitze finden.. wenn Bioshock 3 kommen sollte dann hoffentlich auch ma so nen Szenario.. alles intakt und dann fängt alles an das wär bombastisch :D

Houseputz (unregistriert) 6. Februar 2010 - 15:15 #

Ich hoffe wirklich dass das Spiel nicht für die Konsolen eher als für den PC rauskommt. :D

Das ist wirklich das EINZIGE Spiel, worauf ich mich seit ca. 2 Jahren drauf freue.

Und es wär sowas von geil wenn der 3. Teil im "Anfangsstadium von Rapture spielen würde, d.h. alles noch ganz und heile wäre, und man den stetigen Untergang und Verfall miterleben würde. :D

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